Echo E-Paper: 26.09.2019 (Odenwälder Echo), Seite 12

Überflieger mit Weitblick Unser verein:

Der Flugsportklub Mümlingtal existiert bereits seit 50 Jahren / Mekka für Segelkunstflug in Vielbrunn

Von Manfred Giebenhain

VIELBRUNN. In 50 Jahren in den Lüften unterwegs kommen so allerhand Flugstunden zusammen. Diese zu zählen und sich damit zu rühmen, ist nicht im Sinne des Vorstands des Flugsportclubs Mümlingtal, der in Vielbrunn seinen Sitz mit eigenem Fluggelände hat. Hier blickt man lieber nach vorne, auf die nächste Generation. Gerade ein paar Wochen ist es her, dass zwei Nachwuchspiloten sich für das Deutsche Jugendvergleichsfliegen qualifiziert haben.

Ein ereignisreiches Jahr, das aber noch viel zu bieten hat, neigt sich dem Ende zu. Roman Breitenbach ist Vorsitzender des FSCM, wie der Vereinsname in Kurzfassung lautet: „Im Juni war der Club Gastgeber der Vereinsmeisterschaften im Segelkunstflug um den Salzmann-Cup und am 9. November tragen wir den Hessischen Segelfliegertag in der Limeshalle aus. Auf dem Programm stehen auch Ehrungen von verdienten Sportlern und Fachvorträge.“ Bereits am 3. Oktober kommen befreundete Vereine aus Südhessen, Aschaffenburg und Obernau nach Vielbrunn, um sich beim Ziellandewettbewerb um den Opa-Wolf-Pokal zu beteiligen. Opa Wolf? Wer ihn nicht kennen sollte, erfährt von Roman Breitenbach, was es damit auf sich hat: „Der Wettbewerb wurde zu Ehren eines Seligenstädter Förderers des Segelflugs ins Leben gerufen, der Flugzeuge bemalt und beschriftet hat. Inzwischen wird der Wettbewerb reihum unter befreundeten Clubs ausgetragen.“

Kurzer Rückblick: Die Geschichte des Vereins und des Segelfluggeländes Vielbrunn begann im April 1969 mit zwölf Mitgliedern. Darunter waren zehn Segelflieger, die ihren Sport bereits ein Jahrzehnt lang im FSC Tigerschwalbe (später FSC Mainbullau) ausgeübt hatten. Da die Bedingungen für den Segelflug auf dem Mainbullauer Fluggelände jedoch nicht optimal waren, beschloss man, einen neuen Flugsportclub mit dem Ziel zu gründen, Segelflug zu betreiben und die Idee weiterzuverbreiten. Hierfür wurde ein sumpfiges Gelände am Vielbrunner Koulewald gepachtet und nutzbar angelegt. Pressereferentin Susan Breitenbach verrät schmunzelnd, weshalb auf dem Vereinslogo eine Comicfigur mit einem römischen Offizier zu sehen ist, dessen Streitwagen Flügel besitzt. Den strategisch günstigen Platz auf der Vielbrunner Höhe wussten wohl schon die Römer zu nutzen: „Ideal geeignet für Aufklärungsflüge über das im Osten gelegene Germanien. Wir haben die Tradition des ersten römischen Feldflugplatzes am Limes wieder aufgegriffen.“

Tatsächlich geflogen wird hier seit Ende der sechziger Jahre, zunächst mit einem Doppelsitzer des Typs Bergfalke II von der Lindenfelser Fliegergruppe. Schon bald kamen eine doppelsitzige Ka2b und eine einsitzige Ka 8 hinzu, die gebraucht gekauft wurden und mit viel Liebe und Enthusiasmus wiederaufgebaut werden mussten. Marke Eigenbau war auch ein weiteres Vereins-Segelflugzeug des Typs SB5, das in vielen Arbeitsstunden von Hugo Buchert, Willi Bergmann und dem jetzigen Ehrenvorsitzenden Siegfried Joseph gebaut wurde und immer noch von Vereinsmitgliedern geflogen wird. 1972 wurde die Halle in Betrieb genommen und später erweitert. Mitte der Achtziger ging das Gelände in das Eigentum des Vereins über. Heute stehen sieben vereinseigene Flugzeuge in der Halle. Gestartet wird mittels einer 280 Diesel-PS starken Doppeltrommelwinde oder der Schleppmaschine.

Zurzeit nutzen rund 40 aktive Mitglieder das Segelfluggelände; sechs ehrenamtliche Fluglehrer kümmern sich um den Nachwuchs. Besonders stolz sind die Vielbrunner auf ihre Jugendgruppe mit derzeit zwölf Flugschülern. „Dieser Sport war und ist keine reine Männerdomäne“, sagt Susan Breitenbach. In diesem Jahr haben bereits Julia Schwarzbeck (17 Jahre) und Carina Sokolov (16 Jahre) ihre Pilotenprüfung bestanden und dürfen nun auch Passagiere im Segelflugzeug mitnehmen. Und mit den Brüdern Simon (17) und Felix Koch (20) sind kürzlich beim Hessischen Jugendvergleichsfliegen in Heppenheim gleich zwei FSCM-Talente der Konkurrenz davongeflogen. Sie vertreten den Club beim Deutschen Jugendvergleichsfliegen, das Ende des Monats in Laucha ausgetragen wird.